Schlagwort-Archiv: Sehenswürdigkeit

Die Sonne steht abends tiefer über den Brücken der Stadt Prag

Friedhöfe in Europa – Eine Reise nach Prag

Alter Jüdischer Friedhof in Prag

Auf unserer Reise zur den verschiedenen Friedhöfen in Europa ist ein Halt in Prag ein Muss. Hier befindet sich der bekannteste jüdische Friedhof in Europa – der alte Jüdische Friedhof.

Grabstein an Grabstein reihen sich auf dem alten jüdischen Friedhof aneinander

Zu finden ist dieser im ehemaligen jüdischen Viertel Josefov in der Prager Altstadt, auf einer Fläche von nur ungefähr einen Hektar. Das verwinkelte Grundstück liegt zwischen der Pinkas- und der Klaus-Synagoge. Jedoch befinden sich in direkter Nähe auch die Altneu- und die Maisel-Synagoge. Dennoch sind auf diesem einen Hektar über 12.000 Grabsteine zu finden und es wird vermutet, dass sich diesem Friedhof die Gebeine von 100.000 Menschen liegen. Zurückzuführen ist der Ursprung des jüdischen Friedhofs auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Damals gab es im Ghetto keine Erweiterungsmöglichkeiten, weswegen aus Platzmangel die Toten in bis zu zwölf Schichten begraben wurde. Heutzutage sieht der Friedhof deswegen aus wie eine malerische Hügellandschaft.

Auch auf diesem Friedhof sind einige bekannte Persönlichkeiten begraben, darunter der Religionsgelehrte und Pädagoge Rabbi Jehuda Liwa ben Becalel, welcher als Rabbi Löw bekannt wurde. Das älteste erhaltene Grab gehört dem Rabbiner Avigdor Kara, der 1439 auf dem Friedhof seine letzte Ruhe fand.

Blick auf das Grab von dem Rabbiner Avigdor Kara

Ein Blick über die Gräber auf dem Jüdischen Friedhof

Kulturdenkstätte – Aufschriften und Symbole

Heutzutage dient der alte jüdische Friedhof auch als Kulturdenkstätte. Als Friedhof an sich durch die vielen übereinander liegenden Gräber, aber auch durch die Aufschriften und Symbole der Gräber, welche wichtige Zeugen des vergangenen Lebens sind. So erfährt man dadurch u.a. welche Funktionen die Person in der Gemeinde hatte, welche guten Eigenschaften jemand besaß aber auch welche positiven Taten sie vollbrachte.
Die Symbole lassen erkennen welchen biblischen Stämmen der Verstorbene angehörte: die segnenden Hände galten dem Stamm der Kohen; der Krug den Leviten, da diese im Tempel Dienste leisteten. Zudem sind allgemeine Symbole des Judentums wiederzufinden – die Weinrebe für Fülle und Vielheit; die Krone für gelehrte Menschen oder die Versinnbildlichung von Namen durch Tiere und Pflanzen; aber auch die Schere für den Schneider oder eine Geige für den Musiker.

Eine Decke aus Steinen

Auf vielen der Gräber sind kleine Steine zu entdecken, die auf sie gelegt worden sind. Dies ist ein sehr üblicher Brauch im Judentum und stammt noch aus der Zeit der Wüstenwanderung. Damals begrub man die Toten mit Steinen. Dieser Brauch wird noch heute ausgeführt und kann somit auch auf anderen jüdischen Friedhöfen entdeckt werden.
Der Friedhof, der seit 1995 zum Volkskulturdenkmal ernannt wurde, kann das ganze Jahr über, bis auf wenige Gräber, die aus Schutzgründen nicht mehr direkt begehbar sind, besichtigt werden.