Kategorie-Archiv: Friedhof

Friedhöfe in Europa – Eine schöne Leich in Wien

„Er hat den 71er genommen“

Über den Wiener Zentralfriedhof gibt es viel zu sagen. Beispielsweise, dass er mit seinen rund 330.000 Grabstellen zu den größten Friedhofsanlagen Europas gehört. Oder, dass er bei seiner Eröffnung im Jahr 1874 gar nicht in Wien lag. Und auch heute befindet sich der Wiener Zentralfriedhof – obwohl sein Name etwas anderes Nahe legt – gar nicht mitten in der Stadt. Er ist am südöstlichen Stadtrand angesiedelt, im 1892 eingemeindeten Viertel Simmering.

Wer also von der Innenstadt zum Zentralfriedhof gelangen möchte, nimmt in der Regel die Straßenbahnlinie Nr. 71, die von der Börse über die Wiener Ringstraße, den Rennweg und die Simmeringer Hauptstraße bis zum Zentralfriedhof fährt. Die Straßenbahnlinie ist bei den Wienern so stark mit ihrem größten Friedhof verbunden, dass in vielen Anekdoten, Geschichten und Liedern der „71er“ als Metapher für das Sterben dient. Auch in der Umgangssprache hat die Bahnlinie ihren Platz gefunden. So wird über einen Verstorbenen gesagt: „Er hat den 71er genommen.“

Die Geschichte des Wiener Zentralfriedhofes

1874 eröffnet, wurden seitdem auf dem Wiener Zentralfriedhof mehr als drei Millionen Menschen begraben – Wien hat dagegen nur 1,7 Millionen lebendige Einwohner.
Zunächst war es üblich, sehr einfache „Sparbegräbnisse“ vorzunehmen. Kaiser Josef der II. hatte sogar bestimmt, dass die Wiener in Särgen mit Klapptür begraben wurden, die man mehrmals benutzen konnte. Opulenz auf dem Friedhof gab es nur für Adel und Klerus. Ein paar Jahre später aber, als die Gründerzeit und die industrielle Revolution das Bürgertum reich machte, orientierten sich die neuen Wohlhabenden an den Gepflogenheiten der oberen Stände und inszenierten prunkvolle Begräbnisse und aufwändige Trauerfeierlichkeiten. „A schöne Leich“ sagt man in Österreich dazu. Und diese schöne Leich scheint dem Wiener tatsächlich wesentlich mehr zu entsprechen, als das reduzierte, günstige „Sparbegräbnis“. Immerhin unterstellt man den Einwohnern der Donaumetrolpole eine gewisse Fixierung auf den Tod – die irgendwie sogar zur österreichischen Nationalidentität gehört. Der Tod selbst sei ein Wiener gewesen, heißt es in einem Volkslied. Und Siegmund Freud beschrieb bekanntlich in Wien den Todestrieb.

Zwischen Gräbern berühmter Persönlichkeiten und herrlicher Stille

Wer durch den Wiener Zentralfriedhof spaziert, kann erkennen, wie wichtig hier die letzte Ruhestädte genommen wird. Prächtige Mausoleen, schöne Steinskulpturen und aufwändig gearbeitet Grabsteine gibt es viele. Besonders angenehm finden wir die ruhigen Ecken, fernab von den Gräbern der Wiener Prominenz der Jahrhunderte: Beethoven, Brahms, Schnitzler und auch Falco liegen hier begraben. Auch in den abgelegenen, stillen Ecken des Friedhofs entdeckt man immer wieder bekannte Namen und Gedenktafeln, die an Tragödien der österreichischen Geschichte erinnern. Wir mögen besonders den 1999 eröffneten Park der Ruhe und Kraft, entworfen von Christof Riccabona. Es ist ein geomantischer Landschaftspark, also eine Anlage, die versucht die geistigen, energetischen und seelischen Faktoren des Ortes zu erfassen. Dieser Park ist in fünf gestalterische Bereiche gegliedert und lädt zur körperlichen und geistigen Entspannung ein.

Die Sonne steht abends tiefer über den Brücken der Stadt Prag

Friedhöfe in Europa – Eine Reise nach Prag

Alter Jüdischer Friedhof in Prag

Auf unserer Reise zur den verschiedenen Friedhöfen in Europa ist ein Halt in Prag ein Muss. Hier befindet sich der bekannteste jüdische Friedhof in Europa – der alte Jüdische Friedhof.

Grabstein an Grabstein reihen sich auf dem alten jüdischen Friedhof aneinander

Zu finden ist dieser im ehemaligen jüdischen Viertel Josefov in der Prager Altstadt, auf einer Fläche von nur ungefähr einen Hektar. Das verwinkelte Grundstück liegt zwischen der Pinkas- und der Klaus-Synagoge. Jedoch befinden sich in direkter Nähe auch die Altneu- und die Maisel-Synagoge. Dennoch sind auf diesem einen Hektar über 12.000 Grabsteine zu finden und es wird vermutet, dass sich diesem Friedhof die Gebeine von 100.000 Menschen liegen. Zurückzuführen ist der Ursprung des jüdischen Friedhofs auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Damals gab es im Ghetto keine Erweiterungsmöglichkeiten, weswegen aus Platzmangel die Toten in bis zu zwölf Schichten begraben wurde. Heutzutage sieht der Friedhof deswegen aus wie eine malerische Hügellandschaft.

Auch auf diesem Friedhof sind einige bekannte Persönlichkeiten begraben, darunter der Religionsgelehrte und Pädagoge Rabbi Jehuda Liwa ben Becalel, welcher als Rabbi Löw bekannt wurde. Das älteste erhaltene Grab gehört dem Rabbiner Avigdor Kara, der 1439 auf dem Friedhof seine letzte Ruhe fand.

Blick auf das Grab von dem Rabbiner Avigdor Kara

Ein Blick über die Gräber auf dem Jüdischen Friedhof

Kulturdenkstätte – Aufschriften und Symbole

Heutzutage dient der alte jüdische Friedhof auch als Kulturdenkstätte. Als Friedhof an sich durch die vielen übereinander liegenden Gräber, aber auch durch die Aufschriften und Symbole der Gräber, welche wichtige Zeugen des vergangenen Lebens sind. So erfährt man dadurch u.a. welche Funktionen die Person in der Gemeinde hatte, welche guten Eigenschaften jemand besaß aber auch welche positiven Taten sie vollbrachte.
Die Symbole lassen erkennen welchen biblischen Stämmen der Verstorbene angehörte: die segnenden Hände galten dem Stamm der Kohen; der Krug den Leviten, da diese im Tempel Dienste leisteten. Zudem sind allgemeine Symbole des Judentums wiederzufinden – die Weinrebe für Fülle und Vielheit; die Krone für gelehrte Menschen oder die Versinnbildlichung von Namen durch Tiere und Pflanzen; aber auch die Schere für den Schneider oder eine Geige für den Musiker.

Eine Decke aus Steinen

Auf vielen der Gräber sind kleine Steine zu entdecken, die auf sie gelegt worden sind. Dies ist ein sehr üblicher Brauch im Judentum und stammt noch aus der Zeit der Wüstenwanderung. Damals begrub man die Toten mit Steinen. Dieser Brauch wird noch heute ausgeführt und kann somit auch auf anderen jüdischen Friedhöfen entdeckt werden.
Der Friedhof, der seit 1995 zum Volkskulturdenkmal ernannt wurde, kann das ganze Jahr über, bis auf wenige Gräber, die aus Schutzgründen nicht mehr direkt begehbar sind, besichtigt werden.

Eine Bank steht unter einem blühenden Kirschbaum an einem sonnigen Tag.

Friedhöfe in Europa – Ein Besuch in Leipzig

Leipzig – ein Friedhof und seine Stadt

Für uns gehört Leipzig zu den schönsten Städten Deutschlands: Gründerzeitbauten und Jugendstilhäuser soweit das Auge reicht. In keiner anderen Stadt gibt es so viele durchgängig erhaltene Altbauviertel. Und in der selben Zeit, in der die schönen Gebäude entstanden sind, die heute das Bild Leipzigs prägen, wurde auch der Leipziger Südfriedhof angelegt. Für uns zählt er neben dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf zu den schönsten Friedhöfen überhaupt.

Das Mausoleum auf dem Leipziger Südfriedhof.

Der Südfriedhof: großer Park mit Geschichte

Am 1. Juni 1886 wurde der Leipziger Südfriedhof durch den damaligen Bürgermeister Carl Bruno Tröndlin eröffnet – und war zunächst nicht sonderlich beliebt. Die Leipziger zogen für Beisetzungen den Neuen Johannisfriedhof vor. Das änderte sich erst, als die Bäume auf dem Südfriedhof größer wurden, so dass man erkennen konnte, dass hier ein Parkfriedhof angelegt worden war. 1913 wurde in direkter Nachbarschaft des Friedhofs das Völkerschlachtdenkmal erbaut, das an die große Schlacht gegen Napoleons Truppen von 1813 erinnert. Bis 1924 musste der Südfriedhof auf 63 Hektar erweitert werden. Heute ist er mit einer Fläche von 82 Hektar einer der größten Parkfriedhöfe Deutschlands. Die Grünflächen bilden ökologische Nischen für Pflanzen und Tiere. So findet man z.B. am Westeingang zwei unter Naturschutz stehende Glatthaferwiesen.

Auf dem Leipziger Südfriedhof befinden sich Gräber von bedeutsamen Leipziger Persönlichkeiten, wie der Verlegerfamilien Baedecker und Ullstein. Auch die 3.474 Opfer der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg fanden hier ihre letzte Ruhe.

Die Kapellenanlage auf dem Leipziger Südfriedhof spiegelt sich im Teich.

Die Kapellenanlage

1910 wurde die Kapellenanlage, mit ihrem weithin sichtbaren 60 Meter hohen Glockenturm, eröffnet. Der Leipziger Baumeister Otto Wilhelm Scharenberg war für die Errichtung des neoromantischen Gebäudeensembles zuständig. Die im romantischen Stil gebaute Klosteranlage Maria Laach in der Eifel diente dabei als Vorbild. Der Komplex aus Kappellenanlage, Krematorium und Kolumbarium gilt als größtes Friedhofsbauwerk Deutschlands – und fügt sich doch eher unauffällig in das Gesamtbild ein.
In den 1990er Jahren wurde das Bauwerk instand gesetzt: 1996 rekonstruierte man die Hauptkappelle und im Zuge dessen erfolgte auch die Neuausmalung des Chorraumes nach historischen Vorlagen. 1998 wurde die Einäscherungsanlage erneuert und schließlich das Kolumbarium renoviert, das am 125. Jahrestag der Friedhofseröffnung wieder in Benutzung genommen wurde. Das war im Juni 2011.

Wer also Leipzig besucht und sich an den schönen Vierteln der Gründerzeit erfreut, die alten Arbeiterviertel sowie die herausgeputzte Innenstadt besucht und natürlich auch einen Abstecher zum Völkerschlachtdenkmal macht, sollte den Leipziger Südfriedhof nicht vergessen. Ein schöner, ruhiger Ort.